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Im Detail · Stand 12. Oktober 2026

Das Altersvorsorgedepot 2027: alle Eckpunkte mit Quellen

Hier steht, was beschlossen ist, woher die Zahl kommt und was noch offen ist. Jede Angabe trägt eine Quelle. Was nur aus Fachmedien stammt und noch nicht in den offiziellen Fragen und Antworten steht, ist entsprechend markiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Altersvorsorgereformgesetz ist beschlossen (Bundestag 27. März, Bundesrat 8. Mai 2026). Die neuen Produkte gibt es ab dem 1. Januar 2027. Bundesregierung
  • Grundzulage: 50 Cent je eingezahltem Euro bis 360 Euro, danach 25 Cent bis 1.800 Euro. Maximal 540 Euro im Jahr. Bundesregierung
  • Kinderzulage 300 Euro je Kind und Jahr, schon ab 25 Euro Sparbeitrag im Monat. Berufseinsteiger unter 25 bekommen einmalig 200 Euro. Bundesregierung
  • Drei Produktarten: Altersvorsorgedepot ohne Garantie, Garantieprodukte, und ein Standardprodukt mit Kostendeckel von 1,0 Prozent. Bundesregierung
  • Erstmals sind auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende förderberechtigt. Bundesregierung
  • Riester-Verträge laufen weiter. Ab 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr, ein freiwilliger Wechsel ist möglich. Bundesregierung

1. Gesetz und Zeitplan

Kabinettsbeschluss17. Dezember 2025Bundesregierung
Bundestag27. März 2026Bundestag, Bundesregierung
Bundesrat8. Mai 2026Bundesrat, Deutsche Rentenversicherung
Verkündung29. Mai 2026 (BGBl. I 2026 Nr. 156)Fachmedien
Start der neuen Produkte und der Förderung1. Januar 2027Bundesregierung
Frühstartrente (eigenes Gesetz)Regierungsentwurf 12. August 2026, 1. Lesung 25. September, Anhörung 5. Oktober 2026. Noch nicht beschlossen.Bundesfinanzministerium, Bundestag

Anbieter dürfen vor dem 1. Januar 2027 nichts verkaufen. Alle „Angebote" in 2026 sind Vormerk- oder Startlisten.

2. Die Förderung

WasWie vielQuelle
Grundzulage, Stufe 150 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 Euro im Jahr (max. 180 Euro)Bundesregierung
Grundzulage, Stufe 225 Cent je Euro von 360 bis 1.800 Euro (max. 360 Euro)Bundesregierung
Grundzulage gesamtmaximal 540 Euro im Jahr bei 1.800 Euro EigenbeitragBundesregierung
Kinderzulagebis 300 Euro je Kind und Jahr, voll schon ab 25 Euro Sparbeitrag im MonatBundesregierung
Berufseinsteigerbonuseinmalig 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. GeburtstagBundesregierung
Mindesteigenbeitrag für die Zulage120 Euro im JahrGDV, Finanzfluss, Stiftung Warentest
Höchsteinzahlung6.840 Euro im Jahr je Vertrag; Beträge über 1.800 Euro erhöhen die Zulage nichtBundesregierung
SonderausgabenabzugEigenbeitrag bis 1.800 Euro plus erhaltene Zulagen; das Finanzamt erstattet nur, was über die Zulage hinausgeht (Günstigerprüfung)Finanzfluss, ING
Abhängig vom Einkommen?Nein. Die Zulage hängt nur vom Eigenbeitrag ab, nicht mehr von vier Prozent des Vorjahreseinkommens wie bei RiesterStiftung Warentest

Rechenbeispiel

150 Euro im Monat sind 1.800 Euro im Jahr. Dafür gibt es 180 Euro (Stufe 1) plus 360 Euro (Stufe 2), also 540 Euro Zulage. Mit zwei Kindern kommen bis zu 600 Euro dazu. Wer 37 Prozent Grenzsteuersatz hat, bekommt über die Steuererklärung noch einmal rund 370 Euro zurück. Zum Rechner

Je kleiner der Beitrag, desto höher die Förderquote

Eigenbeitrag (dunkel) und Grundzulage (indigo) pro Jahr, ohne Kinderzulage

Mit Kind kommen bis zu 300 € je Kind dazu. Berechnet nach dem beschlossenen Gesetz. Für deine Zahlen: zum Rechner.

3. Wer ist förderberechtigt?

4. Die Produktarten

Altersvorsorgedepot ohne Garantie

  • Anlage in Fonds, ETFs und andere für Kleinanleger geeignete Anlagen, bis 100 Prozent Aktien möglich.
  • Keine Beitragsgarantie, dafür volle Kapitalmarktchance.
  • Über Depotbanken oder im Versicherungsmantel.

Standardprodukt

  • Gesetzlich definiertes, kostengünstiges Angebot, das jeder Anbieter führen muss.
  • Kosten auf 1,0 Prozent im Jahr gedeckelt. Bundesregierung
  • Zwei Fonds, vorgegebene Umschichtung vor der Rente. GDV, Finanzfluss

Garantieprodukte

  • 80 oder 100 Prozent der Beiträge zum Rentenbeginn garantiert. GDV, Sparkasse
  • Meist bei Versicherern, mit lebenslanger Rente.
  • Garantie kostet Rendite, Aktienquote begrenzt.

Preiskampf der Depotanbieter

Scalable, Trade Republic, finanzen.net zero, Smartbroker+, ING, comdirect und DKB unterbieten sich seit Herbst 2026 mit Null-Euro-Depots, befristeten Gebührenerlassen und Startprämien. Zwei Dinge gehen dabei unter: Erstens dürfen Anbieter ihre Konditionen jederzeit ändern, eine Null heute ist kein Versprechen für 30 Jahre. Zweitens sollten Kosten nicht allein die Wahl bestimmen: Betreuung, Flexibilität, Garantie und die Rentenphase wiegen über die Laufzeit oft schwerer als ein Zehntelprozent Gebühr. Zum direkten Vergleich der drei Wege

Ob und welcher Kostendeckel für Produkte außerhalb des Standardprodukts gilt, sagen die offiziellen Fragen und Antworten nicht. Im Bundestagsbeschluss wird für frei gestaltete Angebote eine Grenze von 1,5 Prozent genannt; Finanzfluss schreibt, der Deckel gelte nur für das Standardprodukt. Vor einer Entscheidung die Preisliste des Anbieters lesen.

5. Auszahlung und Steuern

WasRegelQuelle
Beginn der Auszahlungfrühestens mit 65, spätestens mit 70 (bei Riester war 62 möglich)Finanzfluss, Stiftung Warentest. Nicht in den offiziellen FAQ.
Formenlebenslange Rente oder Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr, dann Restkapital; Zeitrenten sind angekündigtBundesregierung, Deutsche Rentenversicherung, GDV
Einmalentnahmebis zu 30 Prozent des Kapitals zu Beginn der AuszahlungGDV, Finanzfluss, Scalable Capital
Besteuerungnachgelagert: Kursgewinne bis zur Rente steuerfrei, Auszahlungen werden mit dem persönlichen Steuersatz im Alter versteuertING, Finanzfluss
Vorzeitige EntnahmeFörderung muss zurückgezahlt werden; Ausnahme: Verwendung für selbst genutztes WohneigentumScalable Capital, Finanzfluss
Pfändungsschutzgefördertes Altersvorsorgevermögen samt Zulagen ist in der Ansparphase nicht übertragbar und damit nicht pfändbar (§ 97 EStG, § 851 ZPO); gilt nur für den geförderten Teil§ 97 EStG, BGH IX ZR 21/17

6. Was wird aus Riester?

MerkmalRiester (bis 2026)Vorsorgedepot (ab 2027)
Maximale Grundzulage175 Euro im Jahr540 Euro im Jahr
Kinderzulage300 Euro je Kind (185 Euro für vor 2008 geborene)300 Euro je Kind, ab 25 Euro im Monat
Förderung abhängig vom Einkommenja, 4 Prozent des Vorjahreseinkommens nötignein, nur vom Eigenbeitrag
BeitragsgarantiePflicht, 100 Prozentfreiwillig: keine, 80 oder 100 Prozent
Auszahlung frühestens62 Jahre65 Jahre
Selbstständige förderfähignur mittelbar über Ehepartnerja, direkt
Neuverträgebis 31. Dezember 2026ab 1. Januar 2027

7. Frühstartrente für Kinder (noch nicht beschlossen)

8. Kritik und Einordnung

Einordnung: ein Baustein, kein Konzept

Das Vorsorgedepot ersetzt kein Finanzkonzept. Jeder Baustein hat eigene Stärken: Pfändungsschutz gilt bei geförderten Produkten für den geförderten Teil in der Ansparphase, also auch beim Vorsorgedepot (§ 97 EStG, § 851 ZPO), nicht aber für freie Depots. Den Arbeitgeber-Zuschuss gibt es nur in der betrieblichen Altersvorsorge. Stabile Rahmenbedingungen mit garantierter Rente bieten klassische Rentenversicherungen. Zulagen für die Familie kommen über die Kinderzulage des Vorsorgedepots und, sobald beschlossen, über die Frühstartrente. Wie groß welcher Baustein sein sollte, hängt von Einkommen, Steuer, Familie und Zeithorizont ab.

Berechnungsmethodik des Rechners

  1. Rechtsgrundlage: Altersvorsorgereformgesetz in der vom Bundestag beschlossenen Fassung (Zulagen, Kinderzulage, Berufseinsteigerbonus, Sonderausgabenabzug bis 1.800 € plus Zulagen, Höchsteinzahlung 6.840 €).
  2. Steuervorteil: Sonderausgabenabzug mit Günstigerprüfung. Die Erstattung über den Zulagen wird im Modell ins Depot reinvestiert, mit dem gewählten Grenzsteuersatz. Der Solidaritätszuschlag (5,5 %) wird nur in der Einkommensklasse mit 42 % angesetzt, weil er erst ab rund 73.000 € zu versteuerndem Einkommen anfällt und erst ab rund 115.000 € voll.
  3. Jahresmodell: Einzahlungen, Zulagen und Steuervorteil werden am Jahresende verbucht, die Rendite wirkt auf das Vorjahreskapital. Kinderzulage bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Der Berufseinsteigerbonus wird einmalig im ersten Jahr angesetzt.
  4. Rendite: wählbar 5, 6,5 oder 8 % nach Kosten. Der MSCI World brachte langfristig rund 7 bis 8 % vor Kosten. Nichts davon ist garantiert.
  5. Auszahlung: konstante Monatsrate von 67 bis 85 bei weiterlaufender Rendite. Vorsorgedepot pauschal 25 % versteuert. Normales Depot: Abgeltungsteuer 26,375 % auf Gewinne nach 30 % Teilfreistellung, Vorabpauschalen vernachlässigt. Sparkonto: 2 %, steuerfrei im Sparerpauschbetrag.
  6. Nicht berücksichtigt: Inflation, Produktkosten über die Rendite hinaus, Kirchensteuer, Sozialabgaben, die 30-%-Einmalentnahme, Leibrente statt Auszahlplan, individuelle Steuerveranlagung.

9. Quellen

Offene Punkte, die wir vor Veröffentlichung noch gegen den Gesetzestext prüfen: Mindestauszahlalter (65 oder 62 plus zwölf Jahre Laufzeit), Kostendeckel außerhalb des Standardprodukts, Obergrenze für Ehepartner ohne Einkommen, Wechselgebühr 150 Euro, Vererbung in Anspar- und Auszahlphase (Übernahme durch den Ehepartner, Rentengarantiezeit).

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